Der Fotograf und Blogger
Olaf Bathke hat mich dieser Tage auf einen Artikel aufmerksam gemacht, welcher Kuendigungen festangestellter Fotografen und deren oftmals unvorbereitete Haltung zum Thema hat. Der Artikel wurde auf dem Blog von Photoshelter veroeffentlicht. Wer also ganz gut in Englisch ist, der kann besagten Artikel
hier lesen.
Ausschlaggebend fuer das veroeffentlichen des Artikels bei Photoshelter war offensichtlich die Tatsache, das ende 2009 alle 9 festangestellten Fotografen der "Washington Times" unerwartet gekuendigt wurden. Parallelen hierzu gibt es ja auch in Deutschland, da traf es z.bsp. 10 Fotografen der AP, die Ihr Kuendigungsschreiben makabererweise an heilig Abend serviert bekamen. Der Author des Artikels wundert sich am meisten darueber wie ueberrascht viele Festangestellte oftmals sind wenn Sie Ihre Kuendigung erhalten und dass sie keinerlei Vorbereitungen getroffen haben um im fall des "Falles" als Freiberufler durchstarten zu koennen. Ich denke mal das trifft auch auf einige Fotografen im deutschsprachigen Raum zu.
Was kann man also unternehmen um vorbereitet zu sein?
John Harrington, Author des Buches
"Best Business Practices for Photographers" schreibt auf dem Blog von Photoshelter hierzu folgende Tipps:
1. Stellen Sie sich die frage ob eine Taetigkeit als Freiberufler fuer Sie ueberhaupt in Frage kaeme oder ob Sie sich besser nach einem neuen Job als Festangestellter umsehen sollten.
2. Seien Sie sich darueber im klaren das es nicht eine Frage ist
ob, sondern
wann Sie Ihren Job los werden.
3. Sparen, sparen, sparen. Sie sollten mindestens fuer 6 Monate ( besser 12 bis 18 Monate ) Reserven angespart haben.
Eigene Anmerkung : Das ist sicherlich ein nett gemeinter Rat, allerdings werden wohl die wenigsten Festangestellten derzeit dazu in der Lage sein.
4. Richten Sie Ihre eigene Online Praesenz ein inklusive einer Webseite mit eigener Domain sowie einer E-mail endend auf die Domain. Z.bsp. internet: www.IhreSeite.de Mail: IhrName@IhreSeite.de
Eigene Anmerkung : Die Erstellung einer eigenen Webseite laesst sich mittlerweile relativ guenstig realisieren. Mit Hilfe von kostenlosen oder guenstigen CMS Systemen kann schon einiges selbst bewerkstelligt werden. Auch ein gut gefuehrter Blog kann dazu verhelfen Kontakte / Kundenkontakte aufzubauen und zu Pflegen.
5. Stellen Sie mit der Zeit Ihre eigene Ausruestung zusammen, ( Kameras, Objektive, Laptop, etc) falls Sie noch keine eigene haben.
6. Ermitteln Sie Ihre Unkosten welche Sie haetten, wuerden sie als Freiberufler anfangen.
7. Ermitteln Sie worauf Sie zur Not verzichten koennten. Erstellen Sie sich eine Liste was am wichtigsten ist.
8. Setzen sie sich als Festangestellter fuer die Freiberuflichen ein.
Erklaerung hierzu: Wenn ein Freiberufler einen Auftrag guenstiger macht als was Sie als Festangestellter den Verlag auf den Tag gerechnet kosten und der Freiberufler ja auch nur bezahlt wird wenn man Ihn bestellt, was denken Sie wohl wie lange es dann noch dauert bis der Verlag Sie wegrationalisiert? Setzen Sie sich also in Ihrem eigenen Interesse dafuer ein, dass die Freiberufler Ihrer Arbeitsleistung entsprechend bezahlt werden.
9. Nutzen Sie Ihre arbeitsfreien Tage um sich einen eigenen Kundenstamm aufzubauen. Suchen Sie sich Kunden, die die Moeglichkeit begruessen mit Ihnen direkt arbeiten zu koennen. Desweiteren sollten sie sich ueberlegen welchen Kundenkreis bzw. welche Arbeitsgebiete Sie gerne bedienen wuerden wenn Sie denn mehr Arbeitszeit als Freiberufler haetten ( z.bsp. Hochzeiten, Portrait, bildjournalist etc. )
Abschliessend moechte ich noch ein paar eigene Anmerkungen hierzu schreiben:
Wer sich in die freiberufliche Taetigkeit begibt sollte sich darueber im klaren sein das der Berufsalltag eines Freiberuflers nicht nur von der fotografischen Taetigkeit bestimmt wird. Administrative Aufgaben wie Buchfuehrung, Rechnungserstellung, Kalkulationen, Kundenaquise etc. sind sehr zeitraubend und fuer mich auch laestig aber trotzdem massgebende Faktoren die den gewuenschten Erfolg, oder aber eine Niederlage bestimmen. Ein grossteil der scheiternden Freiberufler stolpern nicht ueber Ihr fotografisches Unvermoegen sondern vielmehr ueber mangelnden Geschaeftssinn. Freiberufler die kenntnisse in Betriebswirtschaftslehre und Rechnungswesen mitbringen sind da klar im Vorteil.
Ab wann wird ein Auftrag zum Verlustgeschaeft? Diese Frage sollte man sich regelmaessig stellen und da rede ich aus eigener Erfahrung ;-)
Auch sollte man sein Verhaeltnis zu Kollegen ueberdenken wenn man von festangestellt auf freiberuflich wechselt. Bei meinem Wechsel von fest auf frei war mein ehemaliger Chef auf einmal mein groesster Feind der alles dran gesetzt hat, dass ich gar nicht erst ins Geschaeft reinkomme. In etwa so aehnlich wie ein Ruede der sein Revier markiert...